Schläpfer Daniel

Bergbau und Erzverhüttung am Pass dal Fuorn (Ofenpass) und im Gebiet der Val Trupchun. Neue Beiträge zur Geographie und Geschichte der historischen Montanwirtschaft im Schweizerischen Nationalpark und der Biosfera Val Müstair
Further studies on the geography and history of mining and smelting in the Pass dal Fuorn and Val Trupchun area (Engadin, Switzerland)


Project Number: CH-4448
Project Type: Research_Project
Project Duration: 01/01/2005 - 12/31/2015 project completed
Funding Source: other ,
Project Leader: Daniel Schläpfer
Attikerstr. 3a
8542 Wiesendangen
Phone: ; +41 (0) 52 337 12 39
e-Mail: schlaepferdaniel(at)bluewin.ch

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Research Areas:
Living Space

Disciplines:
History
Swiss history

Keywords:
Wirtschaftsgeographie, Wirtschafts- und Technikgeschichte, Archäologie, Mineralogie, Geologie, Klimatologie

Abstract:
The study extends earlier work of the iron ore mining and smelting in the Pass dal Fuorn region of the Lower Engadin valley, Switzerland [Schläpfer, D., Der Bergbau am Ofenpass (Pass dal Fuorn). Eine wirtschaftsgeographische Untersuchung im Unterengadin und seinen Nachbartälern]. The study area is expanded to include the Upper Engadin section of the National Park and its surroundings. Earlier findings and insights on the physical, economic-geographic, social and technological history of the 14th to 17th century mining and smelting activities in the region are re-examined and updated through additional field work, application of dendro-chronological methods and the study of additional historical documents. The main findings of the studies carried out between 2005 and 2010 are as follows. Additional mining and smelting sites and associated trails were discovered. The analysis of new scoria and metal discoveries from smelting furnaces point to long-distance, high-elevation alpine transport routes. Excavation of further mines, well-preserved transportation infrastructure in the mines and extensive discoveries of tools in the mining sites provide impressive insights into medieval mining technology. At least in its beginnings the operation of mines at elevations between 2300 and 2700 m and smelteries at 1700 to 2000 m a.s.l. may have profited from the climatic advantages of the time. Documents from Italien archives that became accessible over the past decades show definitly that the highly developed siderurgical technology of the Orobian Alpes was not independently adopted in the region. It was underspinned by a long established seasonal migration of Lombardic iron specialists and partly also Lombardic contractors

Leading questions:
Die Zielsetzung 2005 ist also, auf der 1960 angelegten Basis eine Anzahl dort angestossener Fragen mit heutigen Mitteln anzugehen. Unter dem erweiterten Projekttitel sah ich auch vor, einen nicht erforschten montanhistorischen Komplex im Oberengadiner Sektor des Nationalparks einzubeziehen. Diesen Raum hatte ich zwar bereits 1956 und später 1962 kurz angegangen. Da ausserhalb meines Dissertationsraumes (Ofenpass) gelegen, wurden jedoch noch keine Ergebnisse publiziert. Aus der bestehenden Literatur, vor allem aus dem, was unter 1.8 über die Publikation 1960 (s. oben) gesagt wurde, ergaben sich folgende Vorarbeiten und Fragen bezw. aus heutiger Sicht zu diskutierende Themen:

Vorarbeiten: Erstellung einiger neuer kartographischer Grundlagen: Karten der Bergwerke, Hütten und Siedlungen; Planskizzen der Siedlungen und alten Wegrestsysteme. Sodann wurden die Verhüttungsanlagen und einige Bauten der Siedlungen mit Metalldetektion und punktuellen Grabungen untersucht. Dabei wurden zusätzliche Geländefunde gemacht, unter anderen eine zweite Bergschmiede auf Fop da Buffalora. Satellitenvermessung, digitale Karten, Metalldetektion, Grabungen.

Zu 1: Datierungen:
An Datierungen existierten bisher erst zwei C-14 Datierungen aus einem Stollen am Munt Buffalora. Heute stehen dendrochronologische Messreihen für die in unserm Raum vertretenen Holzarten Larix decidua, Pinus cembra und Pinus mugo uncinata zur Verfügung. Als Grubenholz und Bauholzrelikte an Gebäuden und einer Wegverbauung lieferten sie zahlreiche Daten. Die Analysen erfolgten in einem privaten Labor und z.T. im Labor des ADGR. Dendrochronologie.

Zu 2: Bezug zwischen Erzlagerstätten und Verhüttungsorten:
Aufgrund charakteristischer Nebenelementen in Erzen und Verhüttungsschlacken lassen sich Beziehungen wahrscheinlich machen oder ausschliessen. Nach Dokumenten liessen sich schon 1960 Ferntransporte belegen. REM-Analysen Zentrallabor GF Schaffhausen, z.T. RF-Analysen
Besondere Fragen werfen Eisen-Arsenlegierungen am Ofen von Stabelchod auf: Bildung, Bedeutung? Herkunft des Arsenminerals? Diskussion von Hypothesen mit Fachleuten, Besuch einer potentiellen Mineralfundstelle

Zu 3: Hochalpine Schwertransporte:
Geographische Beziehungen, Funde an Verhüttungsplätzen und an potentiellen Verbindungenswegen machen Transporte über sehr hohe Pässe wahrscheinlich, so Fuorcla Val dal Botsch (2677m), Fuorcla Valmela (2920m), FuorclaMüschauns (2906m) Allg. hist. Literatur, Begehungen, Beobachtungen, Befragung von erfahrenen Einheimischen.

Zu 4: Diskussion klimageschichtlicher Einflüsse:
Bekanntlich waren die Temperaturen im Spätmittelalter auch nach dem hochmittelalterlichen Wärmeoptimum noch höher als heute. Dass die Waldgrenze und die Baumgrenze höher lagen zeigen (vielleicht) die schweren verbauten Baumstämme in grösserer Höhe. Der ausgedehnte Bergbau- und Hüttenbetrieb muss von einer grösseren natürlichen Waldfläche profitiert haben. Die längere saisonale Begehbarkeit der hoch gelegenen Abbaugebiete und der Passübergänge mag eine verlängerte jährliche Betriebsdauer ermöglicht haben. Diskussion. Klimageschichtliche Literatur, Vergleiche mit andern Regionen

Zu 5: Lombardische Einflüsse:
In den letzten Jahrzehnten und Jahren sind vermehrt italienische Archivbestände erschlossen worden und so neue Dokumente zum Vorschein gekommen, dies auch in Sondrio und Bormio Darunter sind bergbauliche Dokumente, die sich auf den Ofenpassraum beziehen. Es erschienen Publikationen zur Wirtschaftsgeschichte und zur Technologiegeschichte der Orobischen Alpen und ihres Vorlandes in der Bergamasca und dem Bresciano, die diesen Raum als das eigentliche Ursprungsgebiet der alpinen Hochofentechnik ausweisen. Deren Ausbreitung in alle Richtungen geschah im Rahmen einer umfassenden Migration von Fachleuten in Nachbarräume, inmitten der die Saisonimmigration der Eisenfachleute in unsern Raum heute weniger isoliert gesehen werden muss als noch 1960. Nach neuen ortsbezogenen Dokumenten reicht dieser Einfluss in unsere Gegend noch weiter zurück als bisher nachweisbar; Unternehmer aus der Gegend von Brescia erscheinen im 15. Jh. Weitere italienische Studien befassen sich mit der Technologie und ihrem Wortschatz, sodass unsere früher publizierten Dokumente (Staatsarchiv Chur) aus dem 16. Jh. besser verständlich werden. Es wird versucht, das am Munt Buffalora geborgene Werkzeugarsenal durch Vergleich mit Museumsgut im Veltlin, in Bormio und im Vintschgau nach seiner Herkunft zu bestimmen, wobei einige Schmiedestempel von besonderer Bedeutung sind. Literaturstudien, Kontakte mit Historikern in Bormio, Sondrio, Breno/Val Camonica und Bergamo

Zu 6: Ein montanwirtschaftlicher Komplex im oberengadinischen Teil des Nationalparks?
Die Toponomastik führte längst zu Vermutungen: Punt dal Fuorn bei Varusch/S-chanf, Piz Fier über der Val Trupchun; jedoch fehlten Geländeuntersuchungen. Der Fund von Hüttenüberresten 1956/62 wirft die Frage nach der Erzherkunft auf; es fehlen schriftliche Dokumente. Eine bis vor wenigen Jahren nur legendäre Eisenmine in der italienischen Val del Canton (Livigno) kommt als Herkunftsort in Betracht. Diese (Arbeits-) Hypothese wird diskutiert aufgrund eindrücklicher Geländefunde, Routenstudien und den Aussagen eines frühen Dokuments. Feldstudien, geotechnische Literatur, Dokument aus Bormio

Zur Methodik generell gehörten auch Feldstudien in den bündnerischen Nachbarregionen, den lombardischen Alpen und des Vintschgau; Museumsstudien; Archivstudien in Innsbruck, Sondrio und Chur; Literaturstudien

Publications:
Schläpfer D. (2013) Eisenberge am Ofenpass. Nat.park-Forsch. Schweiz 101. Bern: Haupt Verlag.


Last update: 10/26/18
Source of data: ProClim- Research InfoSystem (1993-2020)
Update the data of project: CH-4448

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