Elsasser Hans

Charakteristiken der Besucherinnen und Besucher der Region Unterengadin / Val Müstair mit Fokus auf die Bedeutung des Schweizerischen Nationalparks

Project Number: CH-5938
Project Type: Master
Project Duration: 06/30/2007 - 06/30/2009 project completed
Funding Source: other ,
Leading Institution: Universistät Zürich, Geographisches Institut
Project Leader: Prof. em. Hans Elsasser

Phone: +41 (0) 44 720 64 89
e-Mail: hans.elsasser(at)geo.uzh.ch

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Disciplines:
Social geography and Ecology

Keywords:
Besuchermanagement, Tourismus

Abstract:
In einer Zeit der fortschreitenden Siedlungsausdehnung werden intakte Landschaften und weitgehend unberührte Naturräume immer seltener und gewinnen damit an Bedeutung. Schutzgebiete sind ein Instrument zur Erhaltung solcher Räume und der darin enthaltenen Lebensformen. Intakte Naturräume ziehen aber auch Menschen an, was aus regionalwirt- schaftlicher Sicht zu begrüssen ist. Die damit verbundenen Belastungen der Natur stehen jedoch im Widerspruch zur Zielsetzung des Naturschutzes und eröffnen diesbezüglich ein Spannungsfeld.

Mit dem im Jahre 1914 gegründeten Schweizerischen Nationalpark (SNP) im Unterengadin / Val Müstair existiert bis heute in der Schweiz nur ein Schutzgebiet dieser Art. Gemäss der Einteilung der Internationalen Naturschutzorganisation IUCN gehört der Nationalpark, der sich über eine Fläche von 172 km ausdehnt und international zu den kleineren gehört, der höchsten Schutzkategorie (Kategorie I) an. Alle im SNP enthaltenen Lebensformen sind streng geschützt und jegliche menschlichen Eingriffe untersagt. Gesetzliche Grundlage bildet das Nationalparkgesetz, in welchem die drei Hauptzielsetzungen Naturschutz, Forschung und Information verankert sind. Dieses wird durch Bestimmungen in der kantonalen Verordnung ergänzt. Die Nationalparkregion umfasst die drei Subregionen Unterengadin, Val Müstair und La Plaiv, die den Nationalpark geographisch umgeben und von der Landwirtschaft und dem Tourismus geprägt sind.
Mit dem zunehmenden Tourismusaufkommen sind in den 90er Jahren einige Besuchererhe- bungen im SNP durchgeführt und von Müller und Scheurer (1992), Ott (1995), Lozza (1996) ausgewertet worden. Eine Besucherbefragung in der Nationalparkregion wurde bislang von Küpfer (2000) durchgeführt. Diese untersucht die regionalwirtschaftliche Bedeutung des Nationalparktourismus. Mit dem Ziel, neue Informationen zur Besucherstruktur zu gewinnen und um eine Vergleichsmöglichkeit mit der Situation vor der Eröffnung des Vereinatunnels zu erhalten wurden im Jahre 2006 im Rahmen des Konzepts ‚Besucherbefragung 2006’, welches eine Besucherbefragung im Nationalpark, in der Nationalparkregion, sowie ausser- halb der Nationalparkregion vorsieht, weitere Besucherdaten erhoben.
Die vorliegende Arbeit konzentriert sich ausschliesslich auf die Besucherbefragung die in der Nationalparkregion durchgeführt wurde und soll aufzeigen, wie der Nationalpark als touristi- sches Angebot in der Region wahrgenommen wird und ob Unterschiede zwischen Besucher- gruppen, die den SNP unterschiedlich wahrnehmen, feststellbar sind. Die Charakterisierung dieser Besuchergruppen erfolgt nach sozioökonomischen Charakteristiken und Ausgaben, Urlaubsarten sowie Interessen. Der Schwerpunkt wird dabei auf das unterschiedliche Ausga- beverhalten der Gäste gelegt. Dadurch werden einerseits Grundlagen zur touristischen Struktur der Untersuchungsregion bereitgestellt und andererseits Charakteristiken der Gäste, die unterschiedlich viel Geld pro Tag und Person ausgeben, dargelegt. Damit können gezielt Werbe- und Informationskampagnen auf einzelne Besuchersegmente abgestimmt werden. Zudem stellt die Charakterisierung der Gäste einer Schutzgebietsregion eine Grundlage für Regionen dar, die im Zusammenhang mit der Teilrevision des Natur- und Heimatschutzge setztes neue Schutzgebiete planen, indem Informationen zu einer möglichen künftigen Gästestruktur darlegt werden.

Die statistische Auswertung erfolgt mit SPSS einerseits deskriptiv, andererseits in Form einer Faktorenanalyse. Zudem werden Hypothesen und Zusammenhänge mit statistischen Tests auf ihre Signifikanz überprüft.
Aus den Ergebnissen der Arbeit geht hervor, dass die Besucher der Nationalparkregion durch- schnittlich 137 Franken pro Tag und Person ausgeben und hauptsächlich aus der Schweiz stammen. Die meisten Besucher halten sich bis zu einer Woche in der Nationalparkregion auf, sind zwischen 40 und 60 Jahre alt und verbringen ihren Urlaub in einer Unterengadiner Ge- meinde in einem Hotel. Männer sind gegenüber Frauen in der Mehrheit. Die Hälfte der Besu- cher sind Stammgäste. Die intakte Landschaft, die Ruhe bzw. Abgeschiedenheit und der SNP sind die Hauptmotive für den Besuch der Nationalparkregion. Wandern/bergsteigen, die Naturbeobachten und Entspannen sind deren favorisierten Tätigkeiten. Vor allem die Natur und die Fitness sind bei Freizeitaktivitäten im Freien von besonderer Bedeutung.
Der SNP, der insgesamt von zwei Dritteln aller Gäste der Nationalparkregion besucht wird, geniesst aus der Sicht der Besucher insgesamt einen hohen, wenn auch unterschiedlichen Stellenwert im touristischen Angebot der Region. Die Besucher der Nationalparkregion sind vielseitig interessiert und wollen nicht eine einzelne, isolierte Leistung in Anspruch nehmen, sondern ein ganzes Leistungsbündel. Der SNP kann seine Stärke erst in Kombination mit anderen touristischen Angeboten voll entfalten.

Für 54% der Gäste ist der SNP während ihres Ferienaufenthalts von grosser Bedeutung. Sie wurden deshalb als Nationalparktouristen bezeichnet. Nicht-Nationalparktouristen, zu denen 37% der Gäste der Nationalparkregion zählen, zeigen bezüglich des SNP kaum Interesse. Sie unterschieden sich in den wesentlichsten Punkten wie folgt von Nationalparktouristen: Nationalparktouristen im Vergleich zu Nicht-Nationalparktouristen verhältnismässig signifi- kant häufiger Menschen mittleren Alters, Gäste der Parahotellerie sowie Besucher, die sich zwischen vier und sieben Tagen oder länger als zwei Wochen in der Nationalparkregion aufhalten. Zudem zeigen sie ein signifikant grösseres Interesse an einer intakten Landschaft, am SNP, am Bad ‚Bogn Engiadina’ und am Wandern bzw. Bergsteigen sowie am Beobachten der Natur. Der Faktor Natur ist für diese Besuchergruppe bei Freizeitaktivitäten im Freien vergleichsweise signifikant wichtiger. Zudem sind diesbezüglich auch die Faktorenkombina- tionen Natur und Erlebnis sowie Natur und Fitness signifikant von grösserer Wichtigkeit. Demgegenüber sind Nicht-Nationalparktouristen im Verhältnis signifikant öfters junge Er- wachsene, Gäste der Hotellerie sowie Besucher, die bis zu drei Tage bleiben. Sie haben bei Freizeitaktivitäten im Freien ein vergleichsweise signifikant geringeres Interesse an der Natur, fahren aber signifikant öfters Velo bzw. Mountainbike.

Es hat sich gezeigt, dass aus regionalwirtschaftlicher Sicht insbesondere Hotelgäste und Personen, die älter als 40 Jahre sind ,von besonderem Interesse sind, da diese im Vergleich zu anderen Gästen mehr ausgeben.
In nächster Zeit werden im Zusammenhang mit der Teilrevision des Natur- und Heimat- schutzgesetzes weitere Schutzgebiete von nationaler Bedeutung entstehen. Diese werden das Angebot der jeweiligen Region bereichern und auch neue Besucher anziehen. Ein wirtschaft- licher Aufschwung darf jedoch mit der Erstellung eines Schutzgebietes von nationaler Bedeu- tung nur bedingt erwartet werden. Künftige Studien müssen zeigen, in wie weit sich solche Schutzgebiete auf die regionale Wirtschaft und auf die Ökologie auswirken.

Publications:
Camenisch, R. (2008): Charakteristiken der Besucherinnen und Besucher der Region Unterengadin / Val Müstair mit Fokus auf die Bedeutung des Schweizerischen Nationalparks. Masterarbeit, Geographisches Institut der Universität Zürich.

PDF Masterarbeit


Last update: 7/18/17
Source of data: ProClim- Research InfoSystem (1993-2020)
Update the data of project: CH-5938

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