Huber Barbara

Vielfalt der Totholzkäferfauna im Schweizer Nationalpark (GR)

Project Number: CH-6778
Project Type: Permanent/Monitoring_Project
Project Duration: 01/01/2021 - 12/31/2023
Funding Source: other ,
Leading Institution: Abenis
Project Leader: Frau Barbara Huber
Ingenieurbüro Abenis AG
Quaderstrasse 7
7000 Chur
Phone: +41 (0) 81 250 79 00

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Research Areas:
Monitoring

Disciplines:
general biology


Abstract:
Durch die starke Nutzung der Wälder vor der Parkgründung und die teilweise betriebene Kahlschlagwirtschaft, kann der Nationalpark aus der Langzeitperspektive weder als Urwald (Parolini, 2013) noch als alter Wald mit Habitattradition (Vorhandensein von Totholzkontinuum) verstanden werden. Die grossflächig stockende, aufrechte Bergföhre Pinus mugo uncinata (DC.) Domin (Maximalalter der Baumart um ca. 300 Jahre; Bugmann, 1994) entspricht der Pionierbaumart nach dieser Kahlschlagwirtschaft, welche teilweise bis Mitte 19. Jh. betrieben wurde (Parolini, 2013). Die Bergföhre war im Gebiet Il Fuorn gemäss Pollenanalysen aber bereits in den vergangenen Jahrtausenden über lange Zeitabschnitte die bestandesbildende Baumart (Allgöwer et al., 2013). Die Weiterentwicklung zu einem Klimax-Arvenwald, wie sie von heutigen Modellen prognostiziert wird (Risch & Schütz, 2013), wurde womöglich durch das Auftreten von Feuern verhindert (Allgöwer et al., 2013). Die vermehrt ziemlich gleichaltrigen Bestände brechen altersbedingt allmählich zusammen, was zur verstärkten Akkumulation von Totholz führt und xylobionten Käferarten optimale Lebensbedingungen bietet. Das trockene Klima und der hohe Harzgehalt v.a. bei der Bergföhre wirken dem Abbau des Holzes entgegen, so dass schon 100-jährige Dürrständer gefunden wurden (Hauenstein, 2013). Wie gross die Attraktivität dieses Lebensraumes gesamthaft für totholzbewohnende Käferarten ist, ist nicht bekannt. Der Lebensraum, welcher die Bergföhre totholzabbauenden Insekten bietet, wurde bis heute kaum untersucht (gem. Experte B. Büche, Koordinator der Roten Liste der Käferarten Deutschlands, sind auch aus dem Ausland keine Studien diesbezüglich bekannt), einzig im Jahr 2018 wurden im Val Müstair einzelne Fallen im Bergföhrengebiet aufgestellt, welche bereits einige vielversprechende Fänge enthielten. Die geplante Artenbestandserhebung sowie das darauf aufbauende Monitoring soll Einblick in diesen Lebensraum gewähren. Aufgrund der Resultate von früheren Erhebungen vermuten wir, dass bei Wäldern, welche immer wiederkehrenden dynamischen Prozessen und natürlichen Störungen (wie Lawinen, Murgänge, Schneelastschäden, Brände und folgende Käferschäden) ausgesetzt sind, ebenfalls ein mehr oder weniger stetes Angebot an grösseren Totholzmengen vorhanden ist und somit trotz früheren Kahlschlägen (fehlender Habitattradition) ev. auch seltene, anspruchsvollere Arten (u.a. Urwaldrelikt-Arten) vorhanden sein könnten. Mit Hilfe der Erfassung der Artenvielfalt von Bergföhrenwäldern in den Jahren 2021 und 2022 soll der Grundstein für ein künftiges Monitoring gelegt werden (Ersterhebung für Wirkungskontrolle: Schutz von sich Entwickelndem, Zielzustand und dessen Artspektrum unbekannt). Ein Monitoring kann Teil einer Wirkungskontrolle sein, dieses soll die Entwicklung der Biodiversität im Wald verfolgen, neue Trends möglichst frühzeitig erkennen und die Effizienz und Effektivität der getroffenen Massnahmen überprüfen und verbessern (Imesch et al. 2015). Hintermann & Weber (2019) formu-lierten Empfehlungen für die Kantone - auch für Naturwaldreservate und Käferprojekte - diese Vorgaben werden beim vorliegenden Projekt ebenfalls eingehalten. Artenmonitorings zu Totholzkäfern in Waldreservaten existieren bereits in der Schweiz (Wermelinger & Lachat, WSL/HAFL, in Bearb.; sowie Erstaufnahmen in Waldreservaten in SG und alten Wäldern in GR, Huber et al. 2014, 2017a, 2017b, 2017c und 2018). Eine weitere Möglichkeit eines Monitorings ist das Projekt BIOKLIM (Erhebung der Biodiversität im Bayerischen Wald entlang eines Höhengradienten / Transektes, inkl. Vergleich der Ergebnisse mit historischen Daten; Bässler et al. 2013 & 2015). Es sollen Polytraps und Kronenfallen verwendet werden. Eine Aussage zur allgemeinen Entwicklung der Biomasse der Insekten (dito Hallmann et al., 2017) wäre mit Fallenfängen ebenfalls möglich, (wird z.Z. mit der WSL abgeklärt). Im Vorprojekt soll ausserdem mit der Forschungskommission abgeklärt werden, ob allenfalls weitere Schritte bei der Aussortierung der Käfer erfolgen sollen (z.B. Separierung von weiteren taxonomischen Gruppen zwecks Bestimmung durch andere Spezialisten oder zur Bestimmung der Insektenmasse der taxonomischen Gruppen). Ein Vergleich mit den historischen Daten von E. Handschin und P. Bovey ist nach einer Revision der Belege möglich und sehr sinnvoll (zeigt einen Teil des Artenspektrums vor über 50 Jahren; ein ähnliches Resurvey erfolgte bei Bässler et al. [2013 & 2015] sowie bei den Tagfaltern im SNP, Gonseth et al., 2007). Gleichzeitig wird die sehr wertvolle Sammlung von E. Handschin für weitere Erhebungen (z.B. für die Erstellung von Checklisten für die Schweiz durch das CSCF) zugänglich gemacht. Wenn lediglich Informationen zum Vorkommen an einem bestimmten Ort vorliegen ist es zwar nicht möglich, daraus Parameter wie Verbreitungsminimum, -maximum und -schwerpunkt zu berechnen wie bei Bässler et al. (2013 & 2015), die Informationen wie „Art X kam auf der Exkursion 1950 auf 1700 m ü. M. vor“ können aber mit dem Ist-Zustand heute verglichen werden und ein Resurvey würde ein künftiges Monitoring wertvoll ergänzen. Ausserdem wird vorgeschlagen, dass im Vorprojekt mit der Parkleitung und den Forstbehörden diskutiert / abgeklärt wird, ob im Hinblick auf den Klimawandel und der wahrscheinlichen Zunahme / Ausbreitung von forstlichen „Schadorganismen“ allenfalls eine künftige Dokumentation der Befallsflächen und ev. eine Überwachung / ein Monitoring erfolgen sollen. Terrestrische Beispiele existieren u.a. bei Altenkirch et al. 2002 und im Waldschutzordner Brandenburg, 2018. Bezüglich einer möglichen Überwachungsmethode aus der Luft (mit Hilfe von Satelliten- oder Luftbildern, siehe dazu auch http://waldzustandsmonitor.de) wurden bereits erste Abklärungen mit der WSL getroffen. Dies v.a. im Bereich der Parkgrenze mit angrenzenden Gebieten mit hohem Schutzwaldanteil. Letzte grössere Schäden ausserhalb des Parks traten in den 1980er Jahren auf und aus dem Raum Zernez existieren Buchdruckermeldungen bei Diagnose Online Waldschutz Schweiz aus den Jahren 1999-2004.


Last update: 5/4/21
Source of data: ProClim- Research InfoSystem (1993-2021)
Update the data of project: CH-6778

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